Chronik Männerchor

Im Jahr 2011, also in drei Jahren, kann der Männerchor Wolfersheim sein 90jähriges Bestehen feiern. Von den Vereinsgründern und den Sängern, die von Anfang an dabei waren, weilt niemand mehr unter uns. Wir sind jedoch in der glücklichen Lage, auf einen Bericht zurückgreifen zu können, den unser verstorbener Sänger Adolf Weber (1906-1988) 1971 anlässlich der 50-Jahrfeier verfasst hat, und der in der damaligen Festschrift erschienen ist. Für die Zeit von der Vereinsgründung bis zum zweiten Weltkrieg wollen wir die Ausführungen von Adolf Weber wörtlich wiedergeben.

 

„Der Männerchor Wolfersheim hat in 50 Jahren seines Bestehens eine Mission erfüllt. In Freud und Leid, bei allen Stationen unseres Lebens ist er in Erscheinung getreten.

Der Verein wurde nach dem ersten Weltkrieg 1921 von sangesfreudigen und gesangsinteressierten Männern gegründet. Man kann feststellen, dass nach Kriegen, Katastrophen usw. sich der Lebenswille der Menschen zur Verbindung und zur Zusammengehörigkeit stärker äußert als in den normalen Zeiten. Das war nach dem Weltkrieg genauso. Es soll damit nicht gesagt sein, dass vorher kein gesangliches Interesse bestand, aber es fehlten doch verschiedene Voraussetzungen. In erster Linie war es die Dirigentenfrage. 1921 ist Otto Schilb von Bliesdalheim nach Wolfersheim gezogen – und er wurde Dirigent des neu gegründeten Männergesangvereins. Er war kein studierter Musiker, aber er hatte sich schon jahrelang mit Musik und Gesang befasst. So hatte der Männergesangverein seine Tätigkeit aufgenommen mit 25-30 Sängern. Mit Begeisterung und Eifer sangen sie aus voller Kehl‘ und frischer Brust. Der Verein trat der ebenfalls neu gegründeten Sängergruppe Blies bei, der die meisten Gesangvereine des Bliestals angehörten. Der Verein hatte sich in den folgenden Jahren stetig aufwärts entwickelt. Er nahm an allen Veranstaltungen der Sängergruppe Blies teil: Wertungssingen, Sängerfeste, Freundschaftssingen usw. 1926, nach fünf jährigem Bestehen des Vereins, wurde das erste Wertungssingen von unserem Verein ausgerichtet. Am Nachmittag fanden sich die Vereine auf dem Festplatz, am heutigen „Millich Häusje“, gesellig ein. Durch außerordentlich starken Regen wurde das Fest gestört und fiel förmlich ins Wasser. Ein Zelt hatte man damals noch nicht, so mussten die auswärtigen Gäste und Vereine Zuflucht in den Sälen und Lokalen suchen.

Der Verein war zu einem kulturellen Faktor innerhalb der Gemeinde geworden. Viele Veranstaltungen wurden durchgeführt: Liederabende, Konzerte in Verbindung mit Musik, Theaterabende, Weihnachtsfeiern, Geburts- und Hochzeitsständchen. An Feiertagen wirkte der Chor an der gesanglichen Umrahmung des Gottesdienstes mit, ebenso an der alljährlichen Gedenkfeier am Ehrenmal. So manchem Sängerkameraden wurde ein letzter Liedergruß am Grab gesungen. Das musikalisch Niveau hatte sich von Jahr zu Jahr gehoben.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.